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Zufrieden sein ist schwierig
Der schlaue Spruch im Titel, frei nach Wilhelm Busch, passt auch im Jahr 2008 für viele Bereiche: Zufrieden sein ist schwer. Für Gläubiger wie für Schuldner, denn das menschliche Streben nach dem Mehr sitzt tief.
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Die Geschichte vom „mündigen Bürger“ hingegen, der selber wissen muss, wie viel Kredit er tragen kann, ist eine Mähr. Tatsächlich verschulden sich die Leute bis zur Nasenspitze, um sich ihre Träume von Selbstständigkeit, Wohnung oder Auto zu erfüllen. Und die Banken begrüßen weiterhin jedeN KreditwilligeN gerne. Privatkredit ist in Zeiten schwächelnder Unternehmen eine Stütze des Portfolios, denn der Mensch als SchuldnerIn wird nicht so schnell zum Totalausfall wie etwa eine Firma.
Zielpublikum Jugend
Wer die Werbung beobachtet, sieht genau deshalb besonders junge Leute im Visier der Kreditgeber (also auch Versandhäuser, Telefonanbieter, Internet etc.).
Unsere Praxiserfahrung aus Vorträgen an Berufsschulen zeigt, dass zwei von drei SchülerInnen erfreulich gut mit ihren Finanzen umgehen: Sie sparen sogar vom Lehrlingseinkommen noch Beträge an. Etwa ein Drittel allerdings gibt an, nie übriges Geld zu haben, hier und da bereits Schulden zu machen.
Im Hintergrund steht beim erfolgreichen Teil fast immer die Familie, die ihr Kind (finanziell) unterstützt: „Man hat Geld“. Bei den anderen geht es auch zuhause knapp her und bereits die Eltern kämpfen mit Schulden.
Diese Jugendlichen brauchen enorme Disziplin und Selbstvertrauen, um nicht bereits mit Volljährigkeit der Versuchung zu erliegen, Führerschein und Auto überteuert zu finanzieren.
Unser Dank gilt daher wiederum den Sparkassen Kufstein und Kitzbühel und der Volkswirtschaftlichen Gesellschaft Tirol, die unsere alleinigen Sponsoren zur vorsorglichen Jugendarbeit bleiben: in 103 Vorträgen konnten 2008 an Hauptschulen und Polytechnischen Schulen die wichtigsten Regeln und Stolpersteine an ca. 600 SchülerInnen vermittelt werden. Leider fast nur in diesen 2 Tiroler Bezirken.
Wir werden 2009 wiederum an die Wirtschaftskammer um eine Unterstützung der Sektion Banken für eine landesweite Arbeit herantreten.
Die Überschuldungswelle kommt erst, die Konkursnovelle kommt nicht
Steigende Arbeitslosigkeit bewirkt 6 bis 12 Monate später eine Welle von Überschuldungen: Banken stunden zwar Raten für einige Monate, wenn der vermeintliche Engpass jedoch nicht zu beheben ist, wird der Kredit fällig gestellt.
Umso bedauerlicher, dass die von der letzten Regierung angegangene Konkursordnungs-Novelle nun ausgesetzt wurde. Ihr Kern war die Insolvenzerklärung für offenbar Überschuldete von Amts wegen (also hauptsächlich für Leute mit mehreren dem Gericht vorliegenden Pfändungen). Samt Zinsstopp und Exekutionsschutz wäre dies ein begrüßenswerter Fortschritt gegen die zunehmende Überschuldung gewesen. In der Folge hätten die SchuldnerInnen auch schneller Ihre Regulierung angehen können, was nebenbei den Gläubigern hilft, Kosten zu sparen.
Leider wird das Projekt nach viel Arbeit (auch von 2 Vertretern der staatlich anerkannten Schuldenberatungen in der Arbeitsgruppe des Justizministeriums) schubladisiert – für uns unverständlich.
Der Solidaritätsfonds kommt zur rechten Zeit
Dass die Schuldnerberatung im Solidaritätsfonds des Landes 2008 - 2012 berücksichtigt wird, ist der Initiative von Altlandeshauptmann Van Staa und Landeshauptmannstellvertreter Gschwentner zu verdanken, sowie der Umsetzung durch Landeshauptmann Platter und Landesrat Reheis.
Wir können mit zwei zusätzlichen BeraterInnen arbeiten und so einerseits die Wartezeiten abbauen, andererseits vermehrt neue KlientInnen aufnehmen. Diese Unterstützung kommt gerade rechtzeitig!
Unsere Ergebnisse 2008 lassen sich sehen und werden somit 2009 weiter ansteigen.